#11 Unser Leiter der Restabfallbehandlung über Gefahren und Folgen von akkubetriebenen Geräten in unseren Anlagen
Shownotes
Ein akkubetriebener Föhn kann eine ganze Anlieferungshalle abfackeln. Glaubt ihr nicht? Holger Warnecke, der Leiter unserer Restabfallbehandlungsanlage, erklärt euch, wie das möglich ist und warum wir uns bei falsch entsorgten Akkus und Batterien schon zu Hause in Gefahr begeben. Herzlich willkommen bei „What The Muc“.
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Dominik: Ein akkubetriebener Föhn kann eine ganze Anlieferungshalle abfackeln. Glaubt ihr nicht? Holger Warnecke, der Leiter unserer Restabfallbehandlungsanlage, erklärt euch, wie das möglich ist und warum wir uns bei falsch entsorgten Akkus und Batterien schon zu Hause in Gefahr begeben. Herzlich willkommen bei „What The Muc“.
Ich freue mich sehr, diesmal mit einem Kollegen mich unterhalten zu dürfen. Und zwar ist Holger Warnecke hier.
Holger: Hallo Dominik.
Dominik: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, um über dieses Thema noch einmal zu sprechen. Du bist da besonders prädestiniert für, weil du nämlich was machst bei der AWG BASUM?
Holger: Ich bin der Betriebsleiter der Rastabfallbehandlungsanlage, auch kurz RABA genannt und mache das jetzt schon, ja, Zwölf Jahre als Betriebsleiter und 25 Jahre bin ich dort in der Anlage tätig.
Dominik: Okay, also mehr als genug Erfahrung, damit du genau weißt, wovon du hier sprichst. Du weißt ja worum es geht. Es geht um Akkus und Batterien. Da kommen wir gleich nochmal auf das Thema. Da hast du ja sicherlich auch die ein oder andere Anekdote, warum diese Abfälle gefährlich sein können. Für die Anlagen und fürs Team natürlich auch.
Da kommen wir aber gleich zu. Du bist gerade schon reingestartet, hast ein bisschen erzählt, dass du Leiter der Raba bist jetzt seit zwölf Jahren. Was bedeutet das denn? Raba ist ja die Restabfallbehandlungsanlage und was sind so deine Aufgaben Kannst du dich vielleicht mal eben kurz ein bisschen vorstellen?
Holger: Ja, meine Aufgabe ist hauptsächlich, diese Anlage so zu führen, dass wir den Restabfall den wir dort angeliefert bekommen, bestmöglich verarbeiten und nach gesetzlichen Vorgaben alles, was dort einzuhalten ist, regeln, mit meinen Kollegen zusammen. Die sind, ich sag mal, auf Radlader, sind an den Maschinen, sind in der Reinigung, sind in der Leitenden, also in der Betriebsfunktion dass eine Anlage gefahren wird und jeder hat da so seine Aufgabe.
Und für uns ist es natürlich wichtig, dass wir das Material bestmöglich verarbeitet bekommen und die besten Produkte, also in dem Falle die Wertstoffe dort noch rausbekommen können und somit aus dem Restmüll noch etwas Nützliches bekommen.
Dominik: Ja, jetzt hast du ja einige Jahre, auf die du zurückblicken kannst.
Was hat sich denn in deiner Zeit bei der AWG und in der Raba bei der Abfallbehandlung verändert?
Holger: Was man natürlich sagen muss, der Müll hat sich über die Jahre natürlich verändert, weil sich natürlich auch die Produkte, die produziert werden, auch verändern. Wir hatten früher mehr Fehlwürfe die sich dann über Reifen oder über Waschbecken oder sogar das Schlimmste, was ich gesehen habe, war dann ein Schornstein, den wir in der Mülltonne mal wieder gefunden haben Ein ganzer Schornstein?
Ja, ein ganzer Schornstein Der war dann schon ein bisschen was Besonderes. Das glaube ich Und das hat sich natürlich verändert. Natürlich hat sich auch verändert diese Rahmenbedingungen, das heißt die gesetzlichen Vorgaben, die Versicherungsvorgaben und alles, was damit zusammenhängt, sind massiv ich sage mal, schärfer geworden, was für uns eine hohe Mehrarbeit und auch mehr Kosten bedeutet.
Aber das müssen wir halt eben halt erledigen und das machen wir auch. Und ja, was natürlich auch geändert hat, In der heutigen Zeit wird vieles per Akku betrieben, wo man manchmal gar nicht weiß, warum da Akku drin ist. Aber da sind Akkus drin und die führen bei uns zu kritischen Situationen die wir eigentlich nicht haben wollen.
Dominik: Ja, also Akkus Batterien vielen Geräten kann man die ja auch entnehmen noch, dann sagen wir ja auch immer bei den Führungen oder generell in allem, was wir machen, Abgabe über die Wertstoffhöfe oder über den Einzelhandel, leider finden sie ja trotzdem immer mal wieder ihren Weg in die Restabfalltonne.
Gibt da ein, zwei Beispiele in welcher Form, also landen die Akkus wirklich als Akku in der Restabfalltonne oder sind das denn, wir hatten ja mit... Wir haben Johanna Weppel auch schon gesprochen, die dann unter anderem auch sagte, dass das viel in diesen Blinkeschuhen auch ist für Kinder, diese LED-Schuhe In welchen Form findet ihr die da im Restabfall?
Holger: Also die Schuhe weniger. Was ich schon gesehen habe, ist ein Föhn der akkubetrieben war, der dann auch über eine Radladerschaufel beschädigt wurde. Wurde dann, ich sage mal, auch ein kleiner Brand im Restmüllhaufen entstanden Entstanden und den konnten wir aber schnellstmöglich löschen aber es sind natürlich auch Sachen die dann als normaler Akku in ein Werkzeug verbaut sind, was man entweder nehmen kann oder auch nicht, die meisten Akkus sind leider auch schwarz Was es für uns, ich sag mal, als Mitarbeiter auch schwierig machen, die dann heraus zu bekommen, weil der schwarze in einem großen Haufen ist etwas schwierig zu sehen.
Wenn die jetzt, ich sag mal, irgendwie gelb werden oder in eine fluoreszierende Farbe hätte man das Ganze vielleicht einfacher, um das zu identifizieren. Aber da kommen wir schon an unsere Grenzen dann. Aber alles, was so eingebaut ist, sieht man manchmal nicht. Es ist natürlich alle Möglichkeiten, die man heute produzieren kann, wo ein Akku drin sein kann, in allen mobilen Geräten die dann irgendwie nur aufgeladen werden, vom Handy über irgendwelche sonstigen Geräte ist alles dabei.
Und es wird leider immer mehr.
Dominik: Ich wollte gerade fragen, wie oft kommt das denn da vor? Sprechen wir jetzt irgendwie von einmal in vier Monaten ... ... oder ist das schon etwas, was häufiger vorkommt? Also in der Woche kommt das schon mal häufiger vor. In der Woche?
Holger: In der Woche kommt das häufiger vor, dass wir sowas finden. Es führt nicht alles zu einem, ich sage mal, Ereignis ... ... sondern es ist eben halt die Anzahl ... wir dann auch sehen und rausnehmen können.
Dominik: Genau Ja, damit wir jetzt mal eben kurz alle den gleichen Wissensstand haben. Wir wissen natürlich, was passiert in der Raba, wir wissen jedes Mal bei der Führung sagen wir mechanisch biologisch, Biogas wird erzeugt aber wir verarbeiten ja Restabfälle in zwei Schritten.
Wir sprechen da ja immer, habe ich gerade gesagt, von der mechanischen und biologischen Verarbeitung. Kannst du kurz erklären, was in den beiden Schritten passiert und an welcher Stelle die Akkus und Batterien jetzt, Gefährlich werden?
Holger: Wir haben ja eine Sortierung kleiner 40 Millimeter aus dem Restmüll.
Das kommt dann in unseren großen Fermenter und daraus erzielen wir dann Biogas, was wir dann weiter verstromen und mit Wärme ins Krankenhaus Erbassung geben. Dann haben wir natürlich eine Sortierung, die kleiner 60 Millimeter ist, die in unsere Rotte zusammen mit dem kleiner 40 Millimeter geht und dann nachher ein Deponat erzeugt, was abgelagert werden darf.
In diesem Zuge wird aber auch schon das Material geschreddert und dahingehend ist eigentlich schon so ein Akku ein Problemfall. Sobald der Schredder diesen Akku beschädigt, kann es sein, dass er entzündet wird und dann muss unsere Löschanlage dort eingreifen und macht dieses vollautomatisch. Das ist nicht schön für uns, weil es am Ende Ressourcen kostet.
Wir müssen jedes Mal Trinkwasser dafür in die Löschanlage geben, das sind so 2.500 Liter die Minute. Dann Löschmittel, also es sind auch Kosten, die da entstehen die wir nicht haben wollen. Die Gefahr noch mal nebenbei Aber an sich ist das das patent ist eine gute sache mit der löschanlage das funktioniert auch gut aber am ende sollte man versuchen dass wir das gar nicht haben so und dann haben wir dann als dritten schritt noch mal das heizfettreiche material was aus der aus der sortieranlage rauskommt was wird dann zum heizkraftwerk nahm bremen blumenthal gebracht wo dann wiederum ein wärme mit versorgt wird und strom produziert wird und das sind so diese drei ströme die man eigentlich so im groben sagen kann natürlich holen auch noch metalle raus Was was aus diesen stoffströmen möglich ist und das alles zusammen ist dann unsere aufgabe am ende des tages
Dominik: okay jetzt hast du schon mal ganz viel runtergerissen und ganz viel erzählt Kommen wir nochmal zu diesem konkreten Fall oder zu einem konkreten Beispiel.
Gehen wir das jetzt mal durch. Du hast ja gerade schon gesagt, bei der mechanischen Verarbeitung da ist eigentlich der sprichwörtliche Knackpunkt, weil da die Abfälle ja vorzerkleinert werden, geschreddert werden. Gehen wir jetzt mal davon aus, ein Akkuschrauber hat seinen Weg in den Restabfall gefunden.
Jetzt liegt ja da der Akku. Was passiert jetzt damit in diesem ersten Schritt damit Bis zum Brand, also was sind die ersten Schritte bei der Verarbeitung und wo es denn anfängt zu brennen?
Holger: Er wird ja erstmal aus dem Anlieferungsfahrzeug ausgekippt liegt dann vielleicht in dem Haufen wird erkannt, kann rausgenommen werden, passiert das nicht, wird er mit einem Radlader aufgenommen, wird in einen Schredder gegeben.
Dieser wiederum zerkleinert das und kann die Löschanlage auslösen. Dann ist natürlich auch ein Zeitfenster weg. Das heißt, wir müssen erstmal den Anlieferungsbereich räumen. Die Kollegen müssen dann wiederum zum Sammelplatz und alles muss so vorbereitet sein, dass gelöscht werden kann oder ähnliches. Zu Anfang ist es auch so, dass die Löschanlage dort eingreift.
Wir können natürlich auch als Brandschutzhelfer dort mit eingreifen und wenn es dann für uns nicht mehr händelbar ist, dann kommt die Feuerwehr auch dazu. Wir wollen die Kollegen der Feuerwehr natürlich auch nur so weit belasten, wie es belastet werden darf. ... weil sonst würden sie es irgendwann auch nicht mehr lustig finden.
Und das sind diese ganzen Rahmenparameter die das Ganze für uns mit Akkus und allem, was dazugehört, schon sehr schwierig macht.
Dominik: Okay, dann haben wir den Akku im Schredder, fängt jetzt Feuer, wir hatten ja in der ersten Folge, ich verweise da jetzt die ganze Zeit drauf, weil da schon viele Sachen angesprochen wurden, Frau Weppel hatte das angesprochen, Frau Büscher, Dass ein Akku ja schon alles, was es zu einem Brand braucht, mitbringt.
Also die ganzen Zellen, die da drin sind, detonieren oder doch zünden einmal durch, wird dann ja glaube ich, gesagt. Der Sauerstoff ist schon enthalten. Das heißt, das ganze Ding ist eine All-Inclusive-Brandgefahr. Richtig. Und dann hast du gerade von der Löschanlage gesprochen. Wir haben ja eine sehr sensible und hochwertige Anlage Das ist nicht mal eben so ein Feuerlöscher, den man zu Hause hat, sondern der hat auch schon ein paar...
Das hat einen siebenstelligen Betrag gekostet. Und wie funktioniert das? Wie muss man sich das vorstellen? Das ist ja nicht einfach ein Schlauch der an der Decke hängt und auf Knopfdruck auslöst
Holger: Nein das ist eine thermografische Kamera, die diese Sachen, diese Ströme überwacht. Sobald dort eine gewisse Temperatur überschritten wird, löst dann diese Kamera aus und sagt der Löschanlage, dass dort an dem Punkt Wasser hintransportiert werden muss mit Löschmittel.
Das passiert dann auch sehr, sehr schnell und dann wird es zu gewissen Zeitfenster abgelöscht. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, dass diese Temperatur unterschritten worden ist. Dann darf irgendwann mal auch die Löschung unterbrochen werden. Dann wird nochmal nachkontrolliert und sobald wir dann dieses Objekt gefunden haben, Und das abgekühlt ist, wird das nochmal separat entsorgt und dann kann der Betrieb nach einem gewissen Zeitfenster wieder aufgenommen werden.
Das führt natürlich jedes Mal zu einem Zeitfenster, der uns im täglichen Betrieb auch fehlt.
Dominik: Von welcher Zeit spricht man da so? Das sind ja keine 10 Minuten wahrscheinlich.
Holger: Also wenn es gut läuft, sind das 20 Minuten, aber das kann auch länger dauern.
Dominik: Ja, du hast ja auch gesagt, das Team muss erstmal aus der Halle raus, die Löschanlage darf ja auch nur betrieben werden, wenn keiner in der Nähe ist, da kommen ja ordentliche wie viel Bar Druck, ich kriege die Zahl immer nie zusammen.
Holger: Also wir sprechen so circa von 8 Bar Druck, die da drauf sind, die mindestens und es sind auch auf jeden Fall 2400 Liter, die sich dort ergießen und das ist natürlich unschön weil es eben halt Trinkwasser mit Schaummittel ist. Ja genau, ja. Okay. Wobei die 8 Bar nicht ganz korrekt sind, das sind eigentlich schon eher Richtung 30-40 Bar.
Das hängt aber immer damit zusammen, was gerade, ich sag mal dort, ja, ich sag mal, an welcher Stelle es rauskommt Es gibt Flächen mit weniger Düsen, mit mehr Düsen, es gibt Löschwerfer und je nachdem aus welcher Die Kanone ist sozusagen gerade geschossen wird, dementsprechend steht der auf den Druck.
Dominik: Ja, das ist ja auch, wenn das jetzt ein Brand wäre, in den Abfällen noch, die noch nicht im Schredder sind, sondern einfach als Haufen da noch in der Halle liegen und der Brand ist da, dann ist ja der Strahl auch dafür da, um das Material zur Seite zu räumen quasi.
Holger: Ja, es ist so gemacht, dass ein oszillierendes Fenster über diesen Brandherd Geschaffen wird über die Kamera oder den Löschwerfer und dadurch bedingt eben halt exakt auf dieses Ereignis gezielt werden kann und dann wird das auch schnell abgelöscht. Okay. Genau. Was möchtest du denn Menschen mit auf den Weg geben, die denken, so ganz lapidar, ach, so schlimm wird das schon nicht sein.
Dominik: Wir haben jetzt ja schon über vieles gesprochen, dass das echt ein Aufwand ist, dass das natürlich eine Gefahr wie gesagt, für die Anlagen und fürs Team ist, wenn da auch mal jemand in Mitleidenschaft gezogen wird, was zum Glück noch nicht passiert ist. Aber ja, was würdest du denen gerne mit auf den Weg geben, abschließend nochmal?
Holger: Also ich würde jedem, ich sag mal dazu, anraten Akkus und Batterien nicht in der Mülltonne zu entsorgen, weil auch da ist es möglich, dass sich das in der Mülltonne entzünden kann bei einer Beschädigung. Und auf dem Weg bis zu uns könnte es genauso passieren. Und jeder, der uns da unterstützt erleichtert uns die Arbeit, reduziert die Kosten und reduziert Verhält sich nachhaltig sodass wir hier weniger einsetzen müssen für diesen Aufwand.
Dominik: Ja, das ist doch ein schönes Plädoyer am Ende noch einmal, also ein schöner Appell vielmehr. Wir hoffen diese kurze knackige Folge, das fand ich sehr schön gerade, sehr erfrischend, hat Ihnen schon einmal geholfen, die Gefahr besser einzuschätzen, zu verstehen, was hier überhaupt im Entsorgungszentrum in Bassum passiert und vielleicht auch ein bisschen zum Umdenken angeregt.
Falls man dann doch mal dachte, ach die Batterie die werfe ich da nochmal eben rein, kann ja nicht so wild sein. Achten Sie bitte darauf, die weiterhin getrennt zu sortieren und zu entsorgen. Und wenn Sie jemanden kennen, der es vielleicht noch irgendwie in die Restabfalltonne wirft weisen Sie ihn gerne darauf hin oder Sie, dass das so nicht richtig ist.
Verweisen Sie auf diesen Podcast, auf die Reihe auf die Kampagne Wir freuen uns da über jede Unterstützung von Ihnen. Holger, ich freue mich und danke dir auch, dass du dir die Zeit genommen hast, dass du das so transparent und leicht verständlich für alle mal wiedergegeben hast, wie überhaupt die Arbeit bei euch funktioniert, was passiert, wenn es doch mal einen Brand gibt und wie man das auch eigentlich mit ganz...
Wenig Aufwand verhindern könnte.
Holger: Ja, danke Dominik dass ich mich hier mir mal ein bisschen Zeit nehmen konnte und das Ganze mal erklären durfte.
Dominik: Sehr gerne.
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