#8 Wie funktioniert die Kläranlage der AWG Bassum - und warum haben wir überhaupt eine eigene?

Shownotes

Aus dreckig mach rein. In dieser Folge von "What the Muc", dem AWG-Podcast, sprechen wir mit dem Leiter unserer Kläranlage, Andreas Lange, über tägliche Herausforderungen, anfallende Wassermengen und den Ablauf der Sickerwasser-Reinigung. Wasser, Marsch!

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Dominik: Aus dreckig mach rein. In dieser Folge von What the Muc, dem AWG-Podcast sprechen wir über unsere Kläranlage. Wasser, Marsch!

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Egal über welchen Weg Sie hergefunden haben, es wird auf jeden Fall interessant die nächsten Minuten, denn ich habe hier Andreas Lange vor mir sitzen. Andreas, moin!

Andreas: Ja, hallo moin!

Dominik: Und du bist der Leiter unserer Kläranlage, über die wir uns jetzt mal eben unterhalten möchten.

Andreas: Richtig, ich bin der Leiter der Kläranlage, das stimmt.

Dominik: Genau, vielleicht magst du mal eben kurz erzählen wer du bist. Den Namen haben wir jetzt ja schon gerade genannt aber seit wann bist du hier und was sind so grob deine Aufgaben? Wie bist du hergekommen?

Andreas: Ja, wie bin ich hergekommen? Ich bin seit 1986 mit der Ausbildung, damals war das noch zum Fair- und Entsorger bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft gestartet und dann später in den Bereich der Abwasserbehandlung gelangt habe meinen Städtereinigungsmeister gemacht und bin seit... 1996 der Leiter der jetzigen Abwasserbehandlungsanlage.

Dominik: Okay, das ist spannend. Warum haben wir überhaupt eine eigene Kläranlage? Ich meine, die Stadt Bassum ist ja gar nicht so weit weg, aber warum kommt die AWG in den Genuss hier eine eigene Anlage zu haben?

Andreas: Ja, die Abwässer die wir bei der AWG anfallen, sind halt hoch belastet und brauchen eine weitere Behandlung. Die eigentliche biologische Behandlung wie es in der kommunalen Kläranlage ist, reicht da nicht aus. Wir müssen darüber hinaus noch weitere Stoffe entfernen und das geht nur mit mehr Technik. Okay, und wo kommt das Wasser her? Ist das einfach Regenwasser oder ist das eigentlich gar nicht so belastet? Ja, teilweise ist es dann halt Niederschlagswasser, was auf dem Deponiekörper versickert ist oder als Sickerwasser austritt. Und es kommt eben viel Abwasser aus den Betriebsbereichen Restabfallbehandlung, Kompostierung, dem Eingangsbereich, Biomassezentrum, eigentlich aus allen Betriebsbereichen des Entsorgungszentrums.

Dominik: Ah, okay. Und dann wahrscheinlich auch aus der Deponie irgendwie oder wie muss man sich das vorstellen?

Andreas: Ja ein Großteil des Abwassers stammt aus der Deponie Ich schätze mal so die Hälfte mindestens stammt aus der Deponie und der Rest kommt halt aus den großen Behandlungsanlagen. Dort wird halt viel Wasser verbraucht für die Rotte und dort fällt dann eben dementsprechend auch Wasser an. Und dann gibt es so ein riesen Rohrleitungsnetz, was dann alles zu euch führt? Richtig, das gelangt dann über große Pumpstationen über eine Druckrohrleitung in unsere Sammelbecken.

Dominik: Okay, und wie viel Wasser fällt da so an? Oder Sickerwasser ist ja alles?

Andreas: Ja In den letzten beiden Jahren haben wir relativ viel Niederschlagwasser gehabt und wir reden da so über 75.000 Kubikmeter, die wir 2023 und 2024 behandelt haben. So und das setzt sich halt eben zusammen aus, auch teilweise verunreinigt das Niederschlagswasser von Lagerflächen und den Behandlungsprozessen auf dem Gelände.

Dominik: Okay, spannend. Du hast gerade schon gesagt Niederschlagswasser, ich glaube der Herbst ist ja bei euch auch mittlerweile immer so eine kleine Herausforderung geworden, weil da die Niederschläge mehr wurden oder werden?

Andreas: Ja, genau. Ein nasser Sommer bringt natürlich auch viel Wasser, aber gerade im Herbst wenn es mehr regnet, stärker regnet über den Winter, dann haben wir am meisten Abwasser.

Dominik: Okay, ja spannend. Okay, letzte Basic-Frage noch, die mir gerade einfällt. Mit wie vielen Leuten seid ihr da beschäftigt?

Andreas: In der Kläranlage sind wir zu dritt

Dominik: Zu dritt? Okay, wow. Das ist schon natürlich, wenn man für das ganze Entsorgungszentrum zuständig ist, schon eine taffe Nummer dann.

Andreas: Ja, also drei Leute brauchen wir auch, damit wir Urlaubszeit abdecken können. Wir haben eine Rufbereitschaft, also daher ist das dringend erforderlich.

Dominik: Okay, dann sprechen wir mal über eure Kläranlage, also über das Gelände so. Wenn jetzt einige von Ihnen oben auf dem Utkick stehen, wie gesagt, haben Sie jetzt genau den Blick auf die Kläranlage. Was sieht man denn da? Man sieht da so ein paar Becken, Schwimmbecken in Anführungsstrichen. Wofür ist das?

Andreas: Genau, wenn man vom Utkiek runter schaut, sieht man im rechten Bereich drei große Speicherbecken. Die nutzen wir für die Sammlung des Abwassers in den Zeiten, wenn jetzt relativ viel anfällt als Ausgleichsbecken. Dann näher zum Utkiek ist noch einmal ein kleiner Teich Dort sammeln wir unser... gereinigtes Wasser, bevor es dann in den Klosterbach gepumpt wird. Naja und dann gibt es noch hinter dem Betriebsgebäude die Stahlbetonbehälter, das sind auch wieder ein großer Speicher und dann die biologische Behandlung, die für das Abwasser erforderlich ist.

Dominik: Okay, das ist der Speicher, das sind diese siloartigen Gebilde, sage ich jetzt mal. Okay, das heißt, da wird dann auch noch mal Wasser gespeichert. Und wie muss man sich den Prozess dann vorstellen von Anfang an. Du hast gerade schon gesagt Klosterbach, das würde ich dann zum Schluss noch mal ansprechen, wo es dann nachher hingeht, aber was passiert bei euch?

Andreas: Also man muss sich natürlich die Speicherteiche, die drei großen, als erste Station vorstellen und dann gelangt das Abwasser in den ersten großen grauen Betonsilo, das ist der Ausgleichsspeicher. Und von dort aus gelangt das dann in die biologische Behandlungsstufe. Am Ende steht das Nachkleppbecken Und von dort fließt das Abwasser in die Maschinenhalle. Dort haben wir noch zwei weitere Behandlungsstufen dort ist einmal eine Fällung-Flockung mit Eisen-3-Chlorid aufgebaut und nach der Fällung-Flockung durchläuft das Wasser nochmal Kiesfilter um Schwebstoffe abzufiltern, falls welche da sind und danach kommt eine Aktivkohleadsorptionsanlage Und danach ist am Ende dann die Ableitung in diesen kleinen Speicherteich vorn und die Einleitung in den Klosterbach im Wasser um.

Dominik: Okay, nochmal einen ganz kleinen Sprung zurück mit dieser Flockung und du hast schon gerade so paar chemische Begriffe genannt für alle, die jetzt gar nicht so tief in diesem Thema sind. Also Flockung heißt ja eigentlich, da wird was zugegeben, damit sich irgendwelche Ablagerungen als Flocken in diesem Wasser bilden und dann hochtreiben oder wie muss man sich das vorstellen? So ganz einfach mal ausgedrückt.

Andreas: Ja, so ganz einfach ausgedrückt ist das Eisen-3-Chlorid. Damit fällt man Stoffe aus dem Abwasser heraus, die wir biologisch halt nicht entfernen können. Und dann wird ein kleines Flockungsmittel noch dazugegeben, um es vom Wasser zu trennen, muss man sich ganz einfach vorstellen. Und dieser Fällungsstamm nennen wir, den entwässern wir und das vorgereinigte Wasser läuft dann zur Aktivkohle. Dann haben wir schon einen Großteil der nicht biologisch abbaubaren Stoffe entfernt und den Rest macht die Aktivkohle.

Dominik: Okay, aktivkohle ist ja auch zum Reinigen, da kennt man ja auch so ein bisschen aus der Kosmetik Es gibt ja auch viele Seifen oder Duschgel, die auf Kohle basieren. Das ist nochmal da, um das einfach zu klären so ein bisschen.

Andreas: Genau, die Aktivkohle entfernt nochmal den restlichen Stoffe aus dem Abwasser, die wir so vorher in den Behandlungsstufen nicht entfernen konnten. Das ist ein, das muss man sich vorstellen, das ist so eine granulierte Kohle das sind etwa... ... 20 Tonnen Aktivkohle in den Behältern und das Wasser läuft dort einfach durch.

Dominik: Ah, okay, cool. Und danach, wenn das jetzt alles durchlaufen ist, habt ihr jetzt sofort sauberes Wasser? Verlasst ihr euch da drauf oder macht ihr da noch irgendwelche Versuche mit?

Andreas: Ja, wir verlassen uns natürlich darauf, dass das Wasser sauber aus der Anlage herauskommt, aber wir haben natürlich auch die Aufgabe, dieses Abwasser zu untersuchen. Also wir untersuchen regelmäßig nach einem Probenplan das einzuleitende Abwasser in den Klosterbach, aber wir machen auch noch mehrere Untersuchungen in den biologischen Behandlungsstufen, um zu schauen, ob alles einwandfrei funktioniert.

Dominik: Ah, okay, habt ihr also euer eigenes Labor da irgendwie so ein bisschen?

Andreas: Richtig, wir haben ein eigenes kleines Labor, da arbeiten wir mit. Großen Teils mit diesen Schnelltests der Firma Hach. Und damit kann man feststellen, ob die Einleitvorschriften eingehalten sind.

Dominik: Okay, jetzt gehen mal davon aus, alle Tests sind positiv, also gut verlaufen Das Wasser ist wieder sauber Was passiert danach mit dem Wasser? Das werdet ihr wahrscheinlich nicht zum Schwimmen benutzen oder so.

Andreas: Nein nein, nein. Wir haben dann eine Druckrohrleitung, die geht von der Kläranlage bis zum Klosterbach in Bassum, da wo man praktisch zum Freibad fährt da an der Stelle dort haben wir eine Einleitstelle die ist so von der Behörde aus genehmigt und wird auch von der Behörde überwacht diese Einleitungen.

Dominik: Ah, bis dahin wird das Ganze transportiert, okay. Und was sind denn jetzt, jetzt wo wir den Prozess einmal so durch haben, was sind denn so die gängigen Herausforderungen für euch? Gibt es da irgendwie was, was euch im Alltag ständig begleitet?

Andreas: Ja, die ständigen Herausforderungen sind halt immer ... Auf alle Anlagenteile einen Blick zu haben, auch vom Labor her oder eben auch im Prozess immer zu schauen, dass alle Anlagenteile zeitlich gewartet werden und das alles ordnungsgemäß funktioniert.

Dominik: Okay. Und vielleicht abschließend einmal... Du bist jetzt ja schon ein paar Jährchen hier, hast ja gerade schon gesagt, dass du schon in den 90ern hier angefangen hast. Was fasziniert dich denn so an der Arbeit? Warum ist das Thema Wasserkläranlage so dein Steckenpferd

Andreas: Ja, mir gefällt am besten an der Arbeit für mich jetzt, dass ich einen Großteil auch mich draußen aufhalten kann. Ich kann draußen Reparaturen Wartungsarbeiten machen und ich habe einen gewissen Zeitanteil wo ich mich am Schreibtisch befinde Aber ich muss nicht nur am Schreibtisch sitzen, das ist für mich ganz wichtig. Also für mich ist es eine gute Mischung aus beiden. Und Wasser interessiert mich halt, also ich finde es interessant und wichtig, dass wir Wasser sauber halten.

Dominik: Du hattest gerade schon das Wort Rufbereitschaft erwähnt Wie muss man sich das vorstellen? Also muss man da ständig mit rechnen von zu Hause angerufen zu werden? Oder welche Fälle betrifft das?

Andreas: Ja genau, unser Leitsystem alarmiert uns über sMS-Nachrichten, falls es eine Störung in der Anlage gibt, einen ausgefallenen Motor, ein überfülltes Becken, dann bekommen wir eine Nachricht und der Mitarbeiter, der einen Dienst hat, fährt dann raus zur Kläranlage und versucht diesen Fehler zu beheben und der Dienst ist dann immer nach den normalen Arbeitszeiten über das Wochenende weg, also auch an den Feiertagen und Weihnachten.

Dominik: Okay, kommt das denn oft vor?

Andreas: Es ist recht unregelmäßig, kann sein dass die Woche ganz ruhig läuft und die nächste Woche wieder mehr Störungen hat, ist aber vertretbar.

Dominik: Ja gut, dann drücken wir dir die Daumen, dass der nächste Anruf in der Rufbereitschaft lange auf sich warten lässt oder die nächste SMS. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

Andreas: Ja, gerne doch.

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